Wie mir Routinen im Home Office helfen

Ich habe eine ambivalente Beziehung zu Routinen im Home Office oder eigentlich zu Routinen im Allgemeinen. Denn während sie mir den Tag erleichtern, finde ich sie vor allem eines – langweilig. Zähne putzen? Nie ohne Smartphone! Kochen? Nur mit Podcast. Warum sollte ich auch für mich so langweilige und doch so wichtige Aufgaben ohne Ablenkung erledigen. Die Sache mit der achtsamen Erledigung von Aufgaben ist mir zwar bewusst, in meinem Sturkopf jedoch noch nicht angekommen. Die Vorstellung, mich auf Routineaufgaben mit meiner vollen Konzentration einzulassen, will mir noch nicht einleuchten. Aber dazu mal in einem anderen Blogbeitrag.

Wenn Routinen im Home Office fehlen

In unserem Unternehmen sind bereits seit vielen Wochen alle Mitarbeiter im Home Office. Denn wir haben alle das große Glück, vollständig von zuhause aus arbeiten zu können – sofern die W-Lan-Leitung nicht überlastet ist.

Letzte Woche berichtete mir ein Kollege, wie schwer ihm die Motivation im Home Office fallen würde und wie sich sein Tagesablauf immer mehr von dem unterscheidet, den er vor der Corona-Krise gelebt hat. Von Routinen im Home Office sei er noch weit entfernt. Dagegen würde das Aufstehen immer schwerer fallen, denn der Tag hat nun augenscheinlich mehr Stunden als er für seine Arbeit wirklich benötigt. Er wirkte alles andere als glücklich über diese Situation.

Routinen wollen gelernt werden

Auch wenn ich als Mutter im Home Office mit Kind einen etwas anderen Alltag habe, habe ich ihn sofort verstanden. Denn die ersten Wochen waren auch für mich eine Umstellung, auch wenn ich bereits seit Jahren regelmäßig Tage im Home Office verbringe. Denn das tägliche Arbeiten im Home Office ist für den inneren Schweinehund eine ganz neue Herausforderung. Beispielsweise kostet das frühe Aufstehen, das ich für eine reibungslose Tagesstruktur dringend benötige, viel Disziplin – die ich nicht immer habe. Da wird dann auch einfach manchmal direkt nach dem Aufstehen 30 Minuten Podcast gehört oder ins Telefon gestarrt – und das ohne Kaffee oder Dusche. Denn Routinen brauchen Disziplin und viel wichtiger: Zeit sie zu lernen.

Warum Routinen im Home Office so wichtig sind

Doch die letzten Wochen haben mir gezeigt, wie wichtig Routinen im Home Office sind. Denn auch wenn sie mir wie kleine Quälgeister ständig im Nacken sitzen, strukturieren sie meinen Tag. Sie geben mir Ordnung und ersparen mir die tägliche Grübelei über den Tagesablauf. Und auch wenn ich sie gerne ausreize, lasse ich sie nicht fallen (fast nie, bleiben wir schön bei der Wahrheit).

Tage, die komplett ohne Routine starten, sind meist bereits schon nach ein paar Stunden wie verkorkst. Ich habe in den ersten Wochen selbst versucht, „locker“ zu sein und alles parallel zu machen. Doch ich kam an diesen Tagen nur schwer in den Tritt und erledigte nicht im Ansatz so viel wie ich es an strukturierten Tagen getan hatte.

Natürlich ist ein chaotischer Tag noch lange kein Grund zur Sorge. Denn erledigte Aufgaben machen zufrieden. Nicht erledigte Aufgaben dagegen pflanzen in mein Unterbewusstsein ein konstantes schlechtes Gewissen. So ist es durchaus vertretbar, aus der Mühle auszubrechen und den Tag komplett anders zu gestalten. Doch überlege dir, ob du dafür wirklich die Wochentage brauchst. Ich selbst habe für mich eine andere Lösung gefunden.

Das Wochenende bleibt anders

Auch wenn Schlafforscher die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden, lebe ich auch jetzt am Wochenende einen vollkommen anderen Rhythmus – und liebe es. Denn Routinen im Home Office bedeuten für mich auch, dass ich so wenige davon wie nur möglich am Wochenende beibehalte. Denn wenn ein Tag auf den anderen folgt und sich nur darin unterscheidet, ob ich als Redaktionsleiterin oder als Coach Texte verfasse, wird das Leben sehr eintönig. Also mache ich all das, was ich nicht tun sollte:

Ich gehe viel zu spät ins Bett. Mein Rhythmus verschiebt sich am Wochenende gut und gerne um drei Stunden nach hinten. Und auch wenn ich das jeden Montag spüre, liebe ich es wie ein Student am Wochenende nicht auf die Uhr zu schauen und erst dann ins Bett zu gehen, wenn mir die Augen schon fast zufallen. Diese Stunden sind kostbar, denn ich kann mal länger als eine Stunde am Stück nur das tun worauf ich Lust habe.

Lies hier, was ich in meiner 30-Tage-Challenge über Schlafrhythmen gelernt habe.

Vor allem in dieser schwierigen Zeit, ist der Bruch in den Routinen meiner Meinung nach sehr wichtig. Wenn ich den Sonntag nur noch daran erkenne, dass ich nicht einkaufen kann, wissen Körper und Geist nicht, wann sie Pause machen können. Und diese Pausen sind nicht nur für unsere körperliche Gesundheit wichtig, sondern halten uns auch mental stabil. Mental labile Menschen sind anfälliger für Krankheiten und das ist ja genau das, was wir alle nicht wollen – krank werden.

Falls es dir geht wie meinem Kollegen, empfehle ich dir eines: Halte dich an Routinen. Vor ein paasr Wochen ging ein Meme viral, auf dem gefragt wurde, was Menschen beweisen wollen, die jetzt in Jeans im Home Office sitzen. So lustig das Meme auch war: Die Einstellung ist falsch. Denn Home Office ist auch ein Office und wenn ich die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit irgendwie aufrecht erhalten möchte, dann brauche ich dafür externe Anker. Ob es sich dabei um einen guten Arbeitsplatz fernab von Bett und Sofa handelt oder das Büro-Outfit mich in die richtige Haltung für meine Aufgaben bringt, ist natürlich jedem selbst überlassen. Doch ich rate jedem, der mit sich kämpft: Probiere es aus! Was hast du zu verlieren? Überlege dir, wie du vor dem Home Office deinen Tag gestaltet hast und folge diesem Ablauf so weit wie möglich auch zuhause.

Meine Routinen im Home Office

Hier ein paar Regeln, die ich für mich im Home Office festgelegt habe:

Die Morgenroutine bleibt

Ich versuche so weit wie möglich meine Morgenroutine nach den bewährten Gewohnheiten zu pflegen. Meinen geliebten Kaffee gibt es erst nach einer ordentlichen Dusche. Ich ziehe mich so an als würde ich ins Büro gehen. Da bei uns kein Kleiderzwang herrscht, kann das auch einfach Shirt und Jeans sein. Doch Jogginghosen bleiben an diesen Tagen im Schrank.

Feste Zeiten für Arbeit und Pause

Ich habe feste Zeiten in meinem Berufsalltag. Was sich dröge anhört, hilft mir, meinen Alltag nicht täglich in Frage zu stellen. Auch die Mittagspause steht für jeden Tag fest. Dieser künstliche Druck hilft mir, mich auch am Küchentisch auf meine Aufgaben zu konzentrieren. Denn wenn ich mir immer wieder vor Augen halte, dass ich noch den Rest des gesamten Tages habe um meine Aufgaben zu erledigen, werde ich erst dann mit der Arbeit fertig sein. Bist du wie ich nicht allein im Home Office, plane diese Zeiten jedoch nicht minutiös, sondern gib einen großzügen Kinderpuffer zu deiner Zeitplanung dazu. So ersparst du dir unnötigen Stress, wenn du deinen Zeitplan nicht einhalten kannst.

Der Haushalt ist Privatsache

Der Haushalt wird nicht während der Arbeitszeit erledigt. Denn so verlockend die Verschmelzung von Berufs- und Privatleben auch ist, erledige ich nur wenige Handgriffe im Haushalt während meiner Arbeitszeit. Dazu gehört natürlich das Geschirr wegräumen und auch Mittagessen kochen. Den Luxus von frischem Essen gönne ich mir und meiner Familie. Doch Wäsche waschen oder zusammenlegen und andere Aufgaben dieser Art sind absolut tabu. Dazu ist auch nach der Arbeit noch Zeit.

Keine privaten Telefonate während der Arbeitszeit

Noch eine wichtige Regel für Routinen im Home Office: Führe keine privaten Telefonate während deiner definierten Arbeitszeit. Denn schnell verquatscht man sich und muss die verlorene Zeit nachholen. Freunde und Verwandte wissen mittlerweile, wann ich Zeit zum telefonieren habe und viel wichtiger: wann nicht.

Feierabend heißt nicht nur Feierabend

Was für viele Menschen im Home Office das Schwerste ist, ist das Aufhören. Wenn der Laptop zugeklappt ist, werden dennoch stündlich die Mails am Handy gecheckt und Telefonate beantwortet.

Diese Routine im Home Office ist auch bei mir erst vor kurzer Zeit hinzugekommen. Und auch wenn es nicht immer gelingt, versuche ich genau das zu vermeiden. Mein Kind und auch ich haben einen Feierabend verdient. Für Notfälle habe ich Skype immer auf dem Smartphone und auch Telefonate lassen sich nicht immer vermeiden. Ich habe mir jedoch abgewöhnt, Mails auf meinem privaten Handy zu lesen. Denn nichts wird per Mail so dringend gesendet, dass es nicht bis zum nächsten Tag warten kann. Überlege dir also genau, wie du deine Arbeitszeiten von deiner Freizeit abgrenzen kannst und über welche Kommunikationskanälen du wirklich erreichbar sein möchtest.

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