30 Tage früher aufstehen – der Erfahrungsbericht

Man sagt, Routinen stellen sich nach 30 Tagen ein, fühlen sich natürlich an und können so Teil des Alltags werden. Ich gehe in den Selbstversuch und werde 30 Tage früher aufstehen. Denn der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm.

Viele Coaches nehmen schlaue Köpfe zum Vorbild, die bereits morgens mit den ersten produktiven Aktivitäten in den Tag gestartet sind und so was genau geworden sind? Ach ja, schlau. Da ich tendenziell eher zu einer „normalen Uhrzeit“ also gegen 7 Uhr aufstehe, teste ich das aus. Was passiert, wenn man sich morgens 2 Stunden mehr gönnt und stellt sich nach 30 Tagen wirklich eine Routine ein?

Kommt mit auf meine Reise und kommentiert gerne, welche Erfahrungen ihr gemacht habt.

Tag 1 bis 5 früher aufstehen

Tag 1: Die Prokrastination in ihrer vollen Gestalt

Zugegeben: Den Versuch direkt nach einem zweiwöchigen Urlaub zu starten war vielleicht nicht besonders schlau. Vor allem, wenn diese nicht aus einem täglichen Wettkampf um die besten Aktivitäten, sondern mit Ausschlafen, Sonne und Strand zu tun hatten. Noch komplizierter machte es vieeeelleicht auch das eine (oder auch das zweite) Glas Weißwein vor dem Schlafen. Vielleeeeeicht hätte ich auch dann das Buch nicht noch zu Ende lesen sollen – obwohl es so spannend wurde.

Was sich hier sammelt, ist einfach ein Haufen an – nennen wir es Begründungen (der Coach nennt es Ausreden) für die eines entscheidende Sache: Hier ist heute niemand um 5 Uhr aufgestanden außer der Hund der Nachbarn. Doch verbuche ich den Tag nur als „halbe Prokrastination“, denn immerhin war ich schon mal wach. Der Wecker wurde ordnungsgemäß ausgeschaltet und dann ist einfach eben nichts weiter passiert. Das Bett war zu weich und die Augen zu müde, um den Beinen den Weg in die Küche zu erlauben. 

Doch warum denn nur? Vorgenommen hatte ich mir für den Morgen nichts, um nicht zu viel Druck in den 1. Tag zu legen. Vielleicht war das der Fehler? Auf meiner To-do-Liste stehen für die Woche ein paar wichtige Mails. Die nehme ich mir für morgen vor – ob das was ändert?


Tag 2: Warum hab ich mich bloß darauf eingelassen?

Die wirklich gute Nachricht vorab: Heute war ich wirklich 5:05 Uhr aus dem Bett. Dann Kaffeekochen und den Körper in sein Tagesgewand zwingen. Und dann? Ach ja, da waren ja die Schreiben und Mails. Die sind jetzt tatsächlich fertig. Und eine Recherche ebenfalls. Das fühlt sich gar nicht so schlecht an. Allerdings bin ich so müde als hätte ich einen Marathon hinter mir und dürfte mich gleich wieder friedlich in mein Bett legen. Der Tag wird spannend. Ich berichte heute Abend.


Tag 3: Darf ich vorstellen? Roxi, meine neue Freundin

ICH   1:2   ROXI

Ich habe eine neue Freundin und die nenne ich Roxi. Denn wer innerhalb von 3 Tagen 2 Mal zu Besuch kommt, ist festes Mitglied im Freundeskreis. Roxi hat heute morgen einfach die schlechte Laune wegen einer unruhigen Nacht (nie wieder spannende Serien vor dem Schlafengehen) ausgenutzt, ist hereingeschlichen und einfach sitzen geblieben. Und das über 2 Wecker hinweg.

Tja, also wurde der Morgen dann gemeinsam mit dem Kind gestaltet und aus der schönen Idee, den Tag mit einem Buch und einem Kaffee zu gestalten wurde nichts. Okay, Bibi Blocksberg war auch ganz okay, aber den Kaffee hätte ich schon gerne vorher gehabt.

Aber der Optimist hat etwas herausgefunden: Dass aus dieser Schnapsidee, seeehr früh aufzustehen, vielleicht doch ein guter Plan werden könnte. Denn der Tag vorher wurde insgesamt nur durch den Morgen schon so viel netter.

Man sagt, dass Menschen, die bereits morgens schlechte Nachrichten konsumieren, dieses schlechte Gefühl noch über Stunden mit sich tragen. Meiner Erfahrung nach lässt sich dieser Effekt auch umkehren. Denn wenn ich bereits morgens Texte über gewaltfreie Kommunikation und Achtsamkeit lese, bemerke ich selbst, wie ich den Tag als nettere Version meiner Selbst (das natürlich von Natur aus schon waaaahnsinnig nett ist) beginne. 

So beende ich Tag 3 doch recht versöhnlich, denn vielleicht ist das Projekt eine kleine Schnapsidee, aber was wäre das Leben ohne Schnaps?


Tag 4: Gleichstand

ICH   2:2   ROXI

So langsam rollt die angehende Routine (hoffentlich) an, denn heute morgen hat mich dann so der Ehrgeiz gepackt, dass ich es unbedingt schaffen wollte. Wer wie ich gerne kleine Wetten laufen hat und auch keinem kleinen, freundschaftlichen Wettstreit aus dem Weg geht, der sollte sich eine kleine Roxi anschaffen. Gegen die lässt es sich unsagbar schön antreten. 

Auf einen fairen Wettkampf, Roxi!


Tag 5: Warum die Zeit nicht nutzen?

ICH   3:2   ROXI

Die Morgenstunden haben einen entscheidenden Vorteil: Man ist noch nicht müde! Denn wenn man abends den Tag ausklingen lässt, reicht selten die Zeit für ausgiebiges Philosophieren über das Leben, die Liebe und die Dinge, die uns wirklich begeistern.

Heute morgen hat der zweite Kaffee genau das ermöglicht. Und mir wieder gezeigt, wie gerne ich das Leben mit diesem Menschen an meiner Seite führe. Also nutze die Zeit morgens, wenn du kannst, doch mal zu zweit und verbringe sie mit den Menschen, die dir im Leben am wichtigsten sind.


Tag 6 bis 10 früher aufstehen

Tag 6: Die Extraportion Challenge – das Wochenende

ICH   4:2   ROXI

Vor dem Wochenende hatte ich dann doch etwas Respekt, denn ist es nicht die Zeit, in der früher aufstehen das Letzte ist, woran wir denken? Doch damit nicht genug, denn ein Campingwochenende stand vor der Tür. So richtig mit Zelt und Grill, Kerzen und einem guten Buch – das ich ja nun am Morgen lesen würde und nicht in den muckeligen Abendstunden. Lesen bis man nichts mehr sehen kann habe ich schon immer geliebt und der Gedanke daran, dann entweder sehr müde in den nächsten Tag zu starten oder mit dem Kind ins Bett zu gehen, machte mich kritisch, ob ich diesen Tag gegen Roxi gewinnen kann.

Doch Schlaf wird eindeutig überschätzt und so wurde die Nacht etwas kürzer. Da auch das Lieblingskind das so sieht, wurde zwar aus meinem Buch nichts, aber Astrid Lindgren hat uns dennoch prächtig die Zeit am Abend vertrieben. Als am Morgen der Wecker klingelte, lief das in meinem Kopf folgendermaßen ab: „Gott verdammt, das ist doch nicht dein Ernst gewesen, an einem Samstag um 5 Uhr aufzustehen. Ich streike, ich gebe auf, sollen Churchill und die anderen mächtigen Jungs doch alleine früher aufstehen. “

Doch nach 10 Minuten schimpfen und gute Gründe finden, warum ich auch weiterschlafen könnte, hatte ich mich quasi „wach geschimpft“. Also bin ich aufgestanden und gönnte mir ein Zeltplatzkäffchen, das so viel schöner ist als die zuhause. Denn um diese Uhrzeit schläft auch die Tierwelt noch und erwacht erst Stück für Stück. Wer das bereits erlebt hat, weiß wie zauberhaft es ist. Als ich nach einem kleinen Spaziergang und einer ausgiebigen Pause am See zurück zum Zelt kam, waren dort bereits alle wach, aber noch zerknautscht. Und ich? Ich war bereit, die nächste Runde Kaffee zu kochen und gemeinsam mit der Lieblingsfamilie in den Tag zu starten.


Tag 7: Ein Tag am Wochenende reicht

ICH   4:3   ROXI

Der Abend von Tag 6 war lang, der Wein floss (okay, es war ein einziges Glas), aber das brachte Roxi wieder mächtig in Stellung und ich hab ihr den Vortritt gelassen. Denn so ein Tag ab 5 Uhr kann ziemlich lang werden, wenn man sich nicht bereits 21 Uhr aus der lustigen Abendgesellschaft verabschieden will. Und so klingelte der Wecker, ich schaltete ihn genüsslich aus und schaute mir die Welt für zwei weitere Stunden genüsslich mit geschlossenen Augen an. Denn machen wir uns nichts vor. Von „ausschlafen“ kann mit einem Kleinkind nur bedingt die Rede sein. Der Tag begann dann eben später mit einer Tasse Kaffee und mit guter Laune. Ich fühlte mich wie ein kleines Mädchen, dass nachts heimlich länger gelesen hatte ohne dass die Eltern es mitbekamen. 

Was uns dieser Tag mitgibt: Wenn du cheatest, dann mache es mit einem guten Gefühl. Es ist nichts dabei, aus der Reihe zu tanzen. Doch es ist ein verschwendeter Tag, wenn du ihn mit bereuen verbringst.


Tag 8: Wenn aus einem Cheatingday zwei werden

ICH   4:4   ROXI

Da der Tag so schön begann, durfte er noch schöner enden, denn ich war mit einer langjährigen Freundin auf einen oder zwei Gläser Wein verabredet. Nun muss man dazu sagen, dass das eine Freundin ist, mit der man sich fest vornimmt, den Abend zu einer vertretbaren Uhrzeit zu beenden und es dann doch nie schafft. Und mit nie meine ich wirklich nie. Aber so ist das mit guten Freunden eben. Da wir beide früher aufstehen mussten, stand also der Plan und der Abend lief seinen Lauf und aus ein wenig später wurden zwei volle Stunden, die mir in der Nacht fehlen würden.

Was soll ich sagen: Ich war ja schon im Cheatingmodus und eins war keins. Also blieb der Wecker stumm und der Kaffee wurde kalt. Das Aufwachen hatte nichts Süßes mehr, sondern den bitteren Geschmack von Versagen. Okay, klingt etwas theatralisch – ist es vielleicht auch in Anbetracht der Umstände. Aber etwas Tragik ist schon angebracht, wenn man zwei Tage zu spät aufsteht… Roxi hatte also mal wieder gewonnen und ging mir langsam richtig auf die Nerven. Also Ärmel hoch und wenigstens die gewonnene Energie in die Arbeit gesteckt. Und morgen? Morgen geht es gleich 5 Uhr raus, damit Roxi so richtig schlechte Laune bekommt.


Tag 9: Wieder im Rennen

ICH   5:4   ROXI

Ich bin wieder im Rennen. Früher aufstehen ist erstaunlich leicht, wenn die Motivation groß ist. Ich merke immer wieder, wie sehr mich die genutzten Morgenstunden über den gesamten Tag tragen. Aber ob es dafür wirklich jeden Tag 5 Uhr sein muss?


Tag 10: Eine Beichte an Roxi

ICH   6:4   ROXI

Roxi, ich muss dir etwas beichten. Denn auch wenn ich gerade gut im Rennen gegen dich liege, liegst du insgesamt meilenweit vorn. Denn die Morgenstunden wollen genutzt werden. Und eine fiese, gemeine, gefühlt Stunden verschlingende Aufgabe schiebe ich einfach weiter vor mir her. Denn Kaffee trinken und neueste Erkenntnisse über Produktivität und Achtsamkeit wollen errungen werden. Doch du könntest mir den Spaß auch lassen und dich nicht leise von hinten anschleichen und mich angrinsen, weil du weißt, dass du vorne liegst. Heute – heute werde ich die fiese, gemeine, gefühlt Stunden verschlingende Aufgabe angehen. Und zwar nach der Flylady-Methode: Stück für Stück. Wenn ich jeden Tag 15 Minuten daran arbeite, ist sie in ein paar Tagen geschafft. Und dann? Dann kann ich wieder Kaffee trinken und über die Vereinbarkeit von Produktivität und Achtsamkeit sinnieren. Wer macht mit? Inhalt hinzufügen


Tag 11 bis 15 früher aufstehen

Tag 11: Die Schattenseite der Morgenstunden

ICH   7:4   ROXI

Ich könnte jetzt vorab etwas von Sonne und Schmetterlingen berichten, damit sich die Pille nicht so bitter anfühlt, aber heute will ich über die Schattenseite des frühen Aufstehens erzählen. Denn so produktiv die Morgenstunden auch sind: Eine Frau knapp (*hust*) über 30 braucht ihren Schlaf und so müssten die Augen im Idealfall um 21 Uhr zufallen.

Doch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis geht dann die Party, oder auch einfach der gemütliche Abend, erst wirklich los. Ins Kino gehen kann man auch nicht morgens um 5 Uhr. Und so verzichtet man entweder auf diese schönen Dinge im Leben oder macht das, was viel näher liegt: den Abend mit Freunden zu lang werden lassen, ins Kino gehen und morgens ziemlich verschlafen in die Kaffeetasse zu schauen. Das war am nach dem ersten Abend noch in Ordnung, nach dem Kinoabend auch. Doch heute Morgen wäre fast Roxi mit mir aufgestanden. Nur eine genaue Vorstellung davon, was ich mit dem Morgen anfangen möchte, hat meine Beine über den Bettenrand bewegt.

Es fühlt sich weiterhin gut an, morgens bereits etwas geschafft zu haben. Wer jedoch ein reges Nachtleben pflegt, einen Freundeskreis hat, der nicht aus Frühaufstehern besteht und gerne Aktivitäten nachgeht, die sich in den Morgenstunden nicht realisieren lassen, wird entweder all das ändern oder eine andere Lösung für sich finden müssen, wie der Alltag produktiv und erfüllt sein kann.


Tag 12: Wo bleibt die Gewöhnung?

ICH   8:4   ROXI

Der Wecker klingelt gehorsam weiter um 5:00 Uhr und ich warte noch sehnlichst auf die Gewöhnung. Es ist mittlerweile in Ordnung so früh aufzustehen. Das hindert mich jedoch noch lange nicht daran, am Abend rechtzeitig ins Bett zu gehen, damit ich genügend Schlaf bekomme. 


Tag 13 und 14: Die Challenge wird zum Schummelprojekt

ICH   8:6 (4)   ROXI

Es ist wieder Wochenende und damit die Zeit, zu der ich mich mit der Challenge wirklich schwer tue. So vernünftig es auch ist, jeden Tag um die gleiche Uhrzeit aufzustehen, will mir nicht in den Sinn, wenn der Abend mit einem Grillabend lockt. Daher liegt das Projekt am Wochenende auf Eis. Und das aus reiner Überzeugung, denn ein Glas Wein, Grillkäse und gute Freunde toppen den Blick am Morgen in den Himmel dann doch…

Damit das Rennen zwischen Roxi und mir vollständig nachvollziehbar ist, ist in Klammern der „echten“ Fail-Days angegeben, also die Tage, an denen ich geplant hatte, um 5 Uhr aufzustehen. Die Ziffer vor der Klammer zeigt dann den Wert der „Fail-Days“ und der Wochenenden, an denen der Wecker geplant stumm bleibt.


Tag 15: Wie kann die Woche starten?

ICH   9:6 (4)   ROXI

Lass uns über Morgenroutinen nachdenken. Hast du eine und tut sie dir gut?

Mein Tag beginnt nach der Morgenpflege, die dafür sorgt, dass man sich 10 Jahre jünger fühlt, immer mit Kaffee. Seit ein paar Jahren trinke ich meinen Kaffee nur noch aus Tassen, bei denen ich gute Laune bekomme. Wir besitzen natürlich auch die Tassen, die nach schwedischem Möbelhaus rufen und einfach praktisch sind. Aber für den morgendlichen Kaffee braucht es da schon etwas mehr. Häufig sind es Tassen, die ich oder der Lieblingsmann aus dem Urlaub mitgebracht haben. Seit ein paar Wochen teile ich meine morgendliche Kaffeeleidenschaft nun mit meiner aktuellen Lieblingstasse – einem Geschenk der Lieblingskollegin zum letzten Geburtstag. Daraus schmeckt der Kaffee nicht nur besser, sondern der Tag startet mit einem Fünkchen guter Laune.

Diese gute Laune treibt mich dann an die To-dos, an den ersten Artikel oder auch gerne ungelesene Mails.  Wenn Lieblingsmann und Lieblingskind noch schlafen, kann ich so die ersten Gedanken ordnen und den Tag beginnen. Und wenn mein Kind dann mit schlechter Laune aufwacht, bekommt es auch erst einmal seine Lieblingstasse mit (Kinder-)kaffee…


Tag 16 bis 19 früher aufstehen

Tag 16: Eine Frage des Zeittypen

ICH   10:6 (4)   ROXI

So ganz überzeugt bin ich auch an Tag 16 nicht von meiner „neuen“ Weckzeit. Denn so schön die Morgenstunden auch sind, so müde bin ich am Abend. Und mit Abend meine ich 20 Uhr. Ich könnte mich einfach auf das Bett legen und schlafen. Dabei waren die Abendstunden noch immer die kreativste Zeit. Meine Bachelorarbeit habe ich zwischen 23 Uhr und 4 bis 5 Uhr morgens geschrieben. Wenn alles schlief und niemand mehr bereit war, sich von mir ablenken zu lassen, kam meine Zeit. Die Zeit der Prokrastination (hier siehst du den Grund dafür, warum ich mich mit den ganzen Tools wirklich auskenne) war vorbei und es entstanden in dieser Zeit die besten Texte. Doch wer weiß: Vielleicht entstehen die ja in zwei Wochen einfach morgens 6.30 Uhr…


Tag 17: Ein Wiedersehen mit Freuden

ICH   10:7 (5)   ROXI

Roxi hat gewonnen. Der Wecker 5:02 Uhr ging wie von Geisterhand wieder aus und 2 Stunden später wachte ich mit dem süßen Gefühl auf, etwas Verbotenes getan zu haben. Es ist erstaunlich, wie schnell sich ein schlechtes Gewissen einstellt, wenn man einen Vertrag mit sich selbst schließt. Eine Vertragsstrafe gab es nicht. Stattdessen kam das Kind in mir durch, dass sich gefreut hat, etwas Verbotenes getan zu haben.

Und so hatte ich heute wenig Zeit, um mich um meine Projekte zu kümmern, aber das Gefühl, wieder etwas wichtiges mitgenommen zu haben. Denn der Zwang, etwas täglich tun zu „müssen“ behindert, auch wenn du dir diesen Zwang selbst auferlegst. Erlaube dir Ausbrüche, solange es bei Ausbrüchen bleibt. Ist das Korsett zu eng, wirst du es über kurz oder lang sprengen. Willst du eine neue Gewohnheit wirklich in dein Leben etablieren, hinterfrage sie regelmäßig. Damit bestärkst du dich in deiner Entscheidung oder gibst den Raum, sie an dich und deine Bedürfnisse anzupassen. 


Tag 18: Wenn der Kaffee – und das Kind – den Morgen einleiten

ICH   11:7 (5)   ROXI

Manchmal kommt es anders und so gesellte sich zu meinem morgendlichen Kaffee nicht nur mein Laptop, sondern auch bald das Lieblingskind. Eltern wissen es: Mit Kindern sind freie Stunden nie garantiert. Da kann ich noch so früh aufstehen. Und so bat sie mich, meinen Kaffee und meinen Laptop in ihr Zimmer zu bugsieren, damit sie beim Spielen nicht allein sein müsse. Gesagt, getan und so saß ich mit Kaffee, aber bald ohne Laptop auf dem Bett meiner Tochter und sah ihr beim spielen zu.

Wäre ich nicht so früh aufgestanden, stünde ich unter der Dusche anstatt ihren Beschreibungen zu lauschen, warum der rote Stein genau auf den blauen und nicht auf den grünen gesteckt werden müsse. Und so hat mir das frühe Aufstehen keine Extrazeit mit meinen Projekten, aber mit einem meiner Lieblingsmenschen geschenkt.


Tag 19: Alles „normal“

ICH   12:7 (5)   ROXI

So langsam tritt so etwas wie eine Morgenroutine ein, wobei ich noch weit entfernt von einer echten Struktur der „Extrastunde“ bin. Noch genieße ich es einfach, die Stunde für mich zu haben und sie für Dinge zu nutzen, die sonst schnell zu kurz kommen. Es ist jetzt viel leichter, den Morgen früher zu beginnen und ich freue mich auf die Extrastunde (oder auch Minuten) für mich ganz allein zu haben. 


Tag 20 bis 25 früher aufstehen

Tag 20 und 21: Welcher Schlaftyp bin ich?

ICH   12:9 (5)   ROXI

Wie angekündigt, stehe ich auch dieses Wochenende nicht 5 Uhr auf. 

Wusstest du, dass Wissenschaftler Menschen nach ihrem Schlaftypen (oder auch Chronotypen) in „Lerchen“ oder „Eulen“ einteilen? Frühaufsteher, die von Natur aus am Morgen wach und putzmunter sind, werden als Lerchen bezeichnet. Eulen dagegen werden erst wach, wenn die Lerche bereits schläft.

Laut meines Lieblingsmenschen gibt es noch eine „Leule“, nämlich die Menschen, die nicht vor 10 Uhr wach sind und nach 18 Uhr gerne wieder schlafen können.

Tatächlich gibt es so etwas wie einen „Normaltypen“, also Menschen, die weder in das eine oder das andere Extrem verfallen. (Es gibt wie in jeder Wissenschaft auch hier Abweichungen und Einteilungen in 4 oder mehr Chronotypen, aber das würde jetzt hier zu unübersichtlich).

Die meisten Menschen sind weder Lerchen noch Eulen, sondern schlafen, sofern sie es zeitlich frei wählen können irgendwann zwischen 0.00 Uhr und 8.00 Uhr. Wie lang die Nacht dauert ist dabei sehr individuell. Extreme Lerchen sind bereits um 5.00 Uhr wieder wach, wogegen extreme Eulen gerne schon mal bis 13 Uhr schlafen.

Einordnen würde ich mich als „normale“ Lerche. Ich stehe gerne in der Woche gegen 6.00/ 6.30 Uhr auf und am Wochenende darf es auch ein Stündchen länger sein. Fragst du mich jedoch, wann ich am besten kreativ arbeiten kann, würde ich immer die Abendstunden bevorzugen. Dann ist jede Ablenkung verzogen und es bleibt Zeit für Texte und Ideen. Auch wenn 5 Uhr nur eine Stunde früher ist, macht es gefühlt doch einen erheblichen Unterschied aus, noch früher aufzustehen.

Doch so langsam zeigt sich eine Gewöhnung. Der Körper wundert sich seit ein paar Tagen nicht mehr, „nachts“ geweckt worden zu sein. Es bleibt also spannend, ob ich in knapp 2 Wochen noch zur „extremen Lerche“ werde.


Tag 22: Hello again

ICH   12:10 (6)   ROXI

Die Erkenntnis, dass ich eine Lerche, aber wahrscheinlich keine extreme Lerche in mir habe, hat mich glatt verleitet, heute nicht nach nur 5 Stunden Schlaf aufzustehen, sondern mir 1,5 Stunden Verspätung zu gönnen.

Dadurch traf mich der Alltag jedoch so früh, dass für mehr als ein kleines Käffchen keine Zeit war. Frühstück gab es dann im Büro. Doch befriedigend war das keineswegs. Denn an die morgendliche Gemütlichkeit kann man sich gewöhnen. An die eine Stunde für sich, bevor der Sturm des Alltags tost, und an die gewählte Einsamkeit, in der alles ein wenig langsamer läuft. Auch wenn dieses Experiment nur 30 Tage läuft, spiele ich schon jetzt mit dem Gedanken, an Tag 31 nicht alles entweder auf 5 Uhr oder auf Anfang zu stellen. Denn wenn die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt, bleiben noch einige Zeitsprünge, die ausprobiert werden wollen.

Aber es wächst die Erkenntnis, dass nicht in jedem Menschen ein Napoleon steckt, aber dieser auch nachts nicht reisen konnte. Denn der persönliche Tagesablauf, die Verpflichtungen und Termine haben einen erheblichen Einfluss auf den eigenen Tag – und damit neben dem Biorhythmus auch auf die Schlaf- und Wachzeiten. So bleibe ich nachdenklich zurück und bin gespannt, welche Erkenntnisse die nächsten Tage noch bringen.


Tag 23: Der Tag hat viele Stunden

ICH   13:10 (6)   ROXI

Es ist erstaunlich, wie viel Zeit der Tag gefühlt nun hat. Denn durch das frühe Aufstehen erledige ich wichtige Aufgaben bereits morgens. Der Abend, der sonst für genau diese Aufgaben reserviert war, ist nun frei und offen für Hobbys wie lesen oder schreiben. Jetzt könnte man meinen, dass sonst ja mehr Zeit am Abend bleibt. Aber die zeitliche Trennung scheint dann doch einen großen Unterschied zu machen.


Tag 24: Same procedure…

ICH   14:10 (6)   ROXI

Der Alltag schleicht sich ein und ich nutze mittlerweile die Zeit am Morgen für meine Projekte: recherchieren, Texte verfassen und über kluge Menschen und Texte nachdenken. Für all das hab ich am Morgen etwa eine Stunde Zeit. So schwer ich mich mit dem Aufstehen noch immer tue, weiß ich die freie Zeit zu schätzen, die mir der Morgen bringt.


Tag 25: Wenn die Ausrede für den Morgensport wegfällt

ICH   15:10 (6)   ROXI

Ich musste ein paar Monate mein Training unterbrechen, dass ich bis dahin in meinen Alltag integriert hatte. 2x die Woche Fitnessstudio und die Welt schien in Ordnung. Heute ist der Tag gekommen, an dem ich die Challenge wieder annehme und mich in mein bequemstes Sport-Outfit werfe. Denn für Sport gibt es jetzt morgens keine Ausrede mehr…


Tag 26 bis 30 früher aufstehen

Tag 26: Schon wach?

ICH   16:10 (6)   ROXI

Die meisten von euch werden das Phänomen kennen: Nur weil der Wecker klingelt, bedeutet das nicht, dass ich auch früher aufstehen muss – muss nicht darf (ist ja wohl klar, oder?) Und dieses kleine Wörtchen muss lockt Roxy auf den Plan und sie säuselt mir liebevoll in die Ohren, wie schön warm das Bett sei. In den meisten Fällen stehe ich dann dennoch auf – 15 Minuten später. Dabei könnte ich um diese Zeit längst geduscht sein und meinen Kaffee genießen. Das ärgert mich, denn darum stehe ich ja früher auf: um morgens mehr Zeit zu haben. Das Vorhaben kommt gleich auf die innere To-do-Liste.


Tag 27 und 28: nie wieder ausschlafen

ICH   16:12 (6)   ROXI

Es gibt schlechte Neuigkeiten für Roxy und gute für meine Gesundheit. Denn Ausschlafen is nich mehr…

Laut einer Studie der Universität Pittsburgh ist das Ausschlafen am Wochenende beziehungsweise ein unregelmäßiger Schlafrhythmus gesundheitsgefährdend. 447 Männer und Frauen wurden zunächst auf ihre Ess- und Sportgewohnheiten hin befragt und dann deren Schlafgewohnheiten aufgezeichnet. Etwa 85% der Probanden veränderten an arbeitsfreien Tagen ihren Schlafrhythmus. Das erhöhe nach Meinung der Forscher das Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes. Ebenfalls steigen die Cholesterinwerte und das Insulinniveau. Menschen, die unregelmäßig schlafen, neigen der Studie nach zu einem höheren Body-Mass-Index, der der Studie nach auch nicht durch Sport ausgeglichen werden kann.

Die Studie bringt mich zum Nachdenken über meinen Schlafrhythmus. Denn ich gehöre definitiv zu den 85% der Menschen, die am Wochenende 5e gerade sein lassen. Doch am Wochenende um 5 Uhr den Tag zu beginnen, kann ich mir nicht vorstellen in Anbetracht von Grillabenden und Kinobesuchen. 


Tag 29: Das Ende naht

ICH   17:12 (6)   ROXI

Heute ist der vorletzte Tag und für mich fühlt es sich eher wie ein Beginn als das nahende Ende der Reise an. In den letzten Wochen habe ich viel über Schlaf, über meine Bedürfnisse und sogar über meine Arbeitszeiten gelernt. Denn dieser Blog ist in den Morgenstunden entstanden.

Den Schlafrhythmus nicht nur an die eigenen Schlafbedürfnisse, sondern auch an die Bedürfnisse im wachen Zustand anzupassen, scheint mir nach den 4 Wochen jedoch eher ein Trial&Error als ein perfekt strukturierter Plan zu sein. Denn das Leben lässt sich nicht nach allgemeingültigen Parametern gestalten. Warum sollte für den Schlaf etwas anderes gelten?


Tag 30: Gewonnen, Roxi! … UND JETZT?

ICH   18:12 (6)   ROXI

Die letzten 30 Tage hatten es in sich. Ich bin sechs Mal ungewollt gescheitert, habe eine Freundin gefunden, die mich gelehrt hat, welche Ruhe die Morgenstunden bringt und welchen Vorteil es hat, nicht gestresst in den Tag zu starten. Sie hat mich gelehrt, dass an ihrer Seite zu sein so kribbelig sein kann wie das Stibitzen eines Bonbons aus dem Süßigkeitenschrank. Sie hat mir aber auch gezeigt, warum es vielen Menschen so schwer fällt, mit Gewohnheiten zu brechen.

Schlaf ist eine Gewohnheit, über die wir uns im Alltag viel zu wenig Gedanken machen, dabei ist es unsere größte Energiequelle. Auch wenn ich gegen Roxi gewonnen habe, freue ich mich, dass sie von nun an an meiner Seite steht und wir noch die eine oder andere Challenge gemeinsam meistern werden. 

Und morgen? Morgen stehe ich (wer hätte es gedacht) nicht 5 Uhr auf, sondern erst 5.30 Uhr. Denn diese Uhrzeit scheint mir mehr gemäß meinem eigenen Biorhythmus zu sein. Und wenn das nicht passt, ist es auch nicht schlimm. Ich habe so richtig Lust, mich an die „ideale“ Aufstehzeit heranzutasten und werde mich dafür in den nächsten Wochen durch verschiedene Zeiten probieren. Und irgendwann wird dann der richtige Schlaf-wach-Rhythmus vor mir liegen.

Wann beginnst du dein Experiement?

30 Tage früher aufstehen – der Erfahrungsbericht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.